Hilfe zur Selbsthilfe ist ein Konzept aus der Entwicklungshilfe. Doch was bedeutet es und wie kann man dazu beitragen?

Entwicklungshilfe ist die Unterstützung von ärmeren Ländern durch reichere. Sie ist nach dem zweiten Weltkrieg entstanden. In der Regel handelt es sich bei den Geberländern um nördliche Länder („globaler Norden“) und bei den Nehmerländern um südlichere Länder („globaler Süden“). Insgesamt sind laut Expertenschätzung in sechzig Jahren rund zwei Billionen US-Dollar an Entwicklungshilfe geflossen.

Ein Großteil des Geldes ist nach Afrika gegangen. Und dennoch leben auch heute dort die meisten armen Menschen. Heute hat jeder Mensch südlich der Sahara im Schnitt weniger als zwei US-Dollar am Tag zum Leben. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt dort 61 Jahre. Ein Viertel der Menschen der Subsahara gilt als unterernährt.

Kommt Entwicklungshilfe an?

Dass nach Jahrzehnten der Entwicklungshilfe immer noch so viel Armut herrscht, hat viel Kritik hervorgerufen. Einer der bekanntesten Kritiker dieser Politik ist der ehemalige deutsche Diplomat in Kamerun Volker Seitz. Er argumentiert, dass Entwicklungshilfe zu selten dabei hilft, Afrika aus Armut zu befreien. Stattdessen halte sie viele Länder für lange Zeit in Abhängigkeit.

Auch Farai Mutondoro von Transparency International warnt, dass die Initiative von außen die Initiative aus dem Inland lähmen kann. So wird zum Beispiel in Simbabwe das Gesundheitswesen bis heute fast vollständig aus dem Ausland finanziert. Die Regierung des Landes hat gar keinen Grund, selbst etwas dafür zu tun. Der Berater Asfa-Wossen Asserate zitiert in seinem Buch „Die neue Völkerwanderung“ Vertreter der afrikanischen Elite: „Ihr tut so, als würdet ihr uns helfen, und wir tun so, als würden wir uns entwickeln.“ Eine dauerhafte Verbesserung der Lebensverhältnisse bewirkt dieses Konzept selten. Alles was bleibt, ist eine nachhaltige Abhängigkeit mit einem niemals endenden Geldfluss von Nord nach Süd. Afrikanische Ökonomen wie der Kenianer James Shikwati fordern daher endlich ein Ende der althergebrachten Entwicklungshilfe. (Mehr zur Geschichte der Entwicklungshilfe in diesem Artikel: https://stay-stiftung.org/auf-dem-weg-zum-kreislauf-wie-eine-wirksame-entwicklungszusammenarbeit-mit-afrika-entsteht/)

Helfen – und dabei Würde schützen

Zu den Kritikern gehört auch der ehemalige deutsche Bundespräsident Horst Köhler. Schon zu seiner Zeit als Chef des Internationalen Währungsfonds setzte er sich mit Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung auseinander. Als Bundespräsident brachte er dann Afrika besondere Aufmerksamkeit entgegen. „Kein Volk der Welt darf auf Dauer zum Hilfsempfänger herabgewürdigt werden“, sagt er.

Damit ist ein zweiter wichtiger Punkt genannt: Es geht auch um Würde. Denn wenn der globale Norden die Lösungen vorgibt, würdigt er die Leistungsfähigkeit des globalen Südens herab und untergräbt mitunter dessen Selbstbestimmungsrecht. Es entsteht kein Verhältnis auf Augenhöhe.

Der nächste Schritt zu „wertschätzender Hilfe zur Selbsthilfe“

Wie kann man diese Probleme vermeiden – und gleichzeitig für eine bleibende Entwicklung sorgen? Die Antwort lautet häufig: Hilfe zur Selbsthilfe. Die Idee dahinter ist, dass die Unterstützung von außen dabei helfen soll, auf eigenen Beinen zu stehen. Viele Hilfsorganisationen und auch Regierungen von Geberländern bekennen sich heute zu dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Auch der Gründer und Geschäftsführer der Stuttgarter Stiftung Stay, Benjamin Wolf, hat Erfahrung in der Entwicklungshilfe. 13 Jahre lang arbeitete er für verschiedene Organisationen. Dann gründete er mit Stay seine eigene Stiftung. Was ihn antrieb, war der Wunsch, über „Hilfe zur Selbsthilfe“ hinauszugehen: „Viele Entwicklungsprojekte waren gut gemeint aber unterm Strich nicht gut genug gemacht. Mir ist klar geworden, dass es anders gehen muss, damit die Entwicklungsarbeit endlich nachhaltige Verbesserungen bringt.“

Der Schlüssel sind Initiativen für Hilfsprojekte aus Afrika selbst: „Jedes Mal, wenn ich in Afrika bin, bin ich überwältigt von den Menschen, die ich dort treffe: optimistische, ideenreiche Macherinnen und Macher mit einer ausgeprägten hands-on-Mentalität“, erzählt Benjamin. „Sie wissen am besten, was vor Ort gebraucht wird. Diese Menschen haben mir nie den Eindruck vermittelt, dass sie auf Hilfe von außen warten.“

Deswegen geht Stay einen neuen Weg und fördert ausschließlich afrikanische Sozialunternehmen. Aus Sicht von Benjamin ist das der nächste Schritt der „Hilfe zur Selbsthilfe“ – oder genau genommen der vorherige Schritt. Denn Entwicklungshilfe, wie man sie kennt, ist damit gar nicht erst nötig.

Gemeinsam noch mehr bewirken

Stay bringt diese afrikanischen Sozialunternehmen zusammen. In ihren Bündnissen, den Stay Alliances, erreichen sie gemeinsam noch mehr arme Menschen (Mehr zu den Stay Alliances, findest du hier: https://stay-stiftung.org/was-ist-eine-stay-alliance/.) Zusammen mit vielen Unterstützenden, Sponsoren und Ehrenamtlichen hat Stay mittlerweile drei solcher Stay Alliances aufgebaut, und zwar in Uganda, Ruanda und Kenia. Und die lokale Herkunft der Helfenden hat noch einen Vorteil: Sie sind tief verwurzelt in ihrer afrikanischen Heimat und kämpfen mit Leidenschaft dafür, dass es ihrer Region besser geht. Damit erhält die Hilfe eine Nachhaltigkeit, die Projekte von außen niemals erreichen können.