Ernährung in Afrika: Zwischen Armut und Ideenreichtum

By |2021-05-15T14:54:41+00:00Mai 11, 2021|Entwicklung, Ernährung, Gesundheit|

Ernährung in Afrika: Was essen die Menschen in einigen der ärmsten Regionen? Überall gilt: Ernährung ist ein Schlüssel zu Gesundheit und Wohlbefinden – doch die Gewohnheiten sind oft überraschend anders. Was isst man in Ostafrika?

Ernährung und Esskultur sind kulturell geprägt. Außerdem beeinflussen äußere Faktoren, wie die zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln, den Speiseplan. Das gilt auch für die Ernährung in Afrika. Zu den Grundnahrungsmitteln in Ostafrika zählen unter anderem Hirse, Mais, die Wurzelknolle Maniok und Reis. Aus Mais- oder Hirsemehl und Wasser wird ein flüssiger Brei zubereitet, der meist zum Frühstück gegessen wird. Manche Ostafrikaner verfeinern den Brei mit Zucker, sodass er süßlich schmeckt. Damit unterscheidet er sich geschmacklich vom festen Maisbrei, den es zum Mittag- oder Abendessen gibt.

Für den festen Maisbrei werden die Maiskörner zerstoßen und gekocht, bis ein fester Brei entsteht. Dieser recht geschmackarme Breis hat in jedem Land einen anderen Namen. In Uganda heißt er ‚Posho‘. Die Kenianer bezeichnen ihn als ‚Ugali‘. Dazu essen die Menschen meist ein paar Löffel Erdnusssauce oder Hülsenfrüchten, vorwiegend rote Bohnen. Gelegentlich essen sie dazu auch Fleisch oder Fisch. Dies ist aber meist etwas Besonderes, da diese Lebensmittel deutlich mehr kosten. An den meisten Schulen gibt es jeden Morgen eine Tasse des flüssigen Mais- oder Hirsebreis und mittags Maisbrei mit Bohnen. Gelegentlich bieten die Schulen außerdem Matoke, ein fester Brei aus Kochbanane, dazu an. In Ostafrika ist es normal mehrere Kohlenhydratquellen auf einmal zu essen. Hier treffen sich Reis, Maisbrei und (Süß-) Kartoffel öfter gemeinsam auf einem Teller.

Appetit auf eine Rolex?

In Uganda tragen die Menschen die Rolex nicht am Handgelenkt. Hier wird es verspeist. Denn ‘Rolex’ ist eine regionale Spezialität, die bereits für 20 Cent am Straßenrand gekauft werden kann. Der Name ‘Rolex’ ist ein Wortspiel aus den Wörtern ‘rolled eggs’ was auf Deutsch gerollte Eier bedeutet. Es besteht aus Chapati, einer Art Fladenbrot, und Ei. Dieses wird mit Kohl, Zwiebel und Tomate zu einem Gemüseomelette verarbeitet. Die Uganderinnen und Ugander rollen das Omelette in den Chapati, sodass das fertige ‚Rolex‘ Ähnlichkeiten mit einem Wrap hat. In das ‚Rolex‘ können beliebig viele Eier und weiteres Gemüse, wie zum Beispiel Avocado, eingerollt werden. Jedes Ei und jede weitere Zusatz kosten allerdings extra.

Die moderne Form von „Jagen und Sammeln“: Einkaufen

Anders als in Deutschland kaufen die Menschen in Ostafrika ihre Lebensmittel meist am Straßenrand oder auf Märkten. Interessant hieran ist, dass sie beim Kauf nicht die gewünschte Stückzahl oder das Gewicht nennen, sondern den zu bezahlende Preis. Bei einigen Lebensmitteln, wie zum Beispiel Reis, können sie das Produkt in drei unterschiedlichen Preisstufen kaufen: kieselsteinfreier Reis, Reis mit etwas und Reis mit viel Kieselstein. Der Reis selbst ist in allen drei Preisstufen derselbe. Allein die Vorbereitungszeit des Kochens variiert. Deshalb ist der kieselsteinfreie Reis auch teurer.

Wie nahrhaft ist die Ernährung in Afrika?

Die Grundnahrungsmittel der ostafrikanischen Ernährung sind reich an Eiweiß und damit sättigend. Allerdings ist der reine Maisbrei ohne Ergänzung durch Gemüse oder Fleisch bzw. Fisch recht nährstoffarm. Denn Sattsein kann nicht mit ausreichender Nährstoffversorgung gleichgesetzt werden, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Angelika Severin. Mangelernährt wird definiert als ein Defizit an einer oder mehreren Nährstoffen, ohne dass die Energiezufuhr zu gering ist. So ist Maisbrei als Grundnahrungsmittel aufgrund seines Eiweißgehaltes sättigend und deckt den Energiebedarf der Menschen, versorgt die Ostafrikaner aber nicht mit genügend lebenswichtigen Nährstoffen. Dieses Phänomen wird als ‚versteckter Hunger‘ bezeichnet. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind ca. zwei Milliarden Menschen von verstecktem Hunger betroffen. In Entwicklungsländern betrifft es fast jedes zweite Kind unter fünf Jahren.

Diese Mangelernährung kann schwerwiegende Folgen in der Entwicklung haben. Allerdings verursachen nur wenige Nährstoffe bei einer Unterversorgung klar abgrenzbare Symptome. Aus Entwicklungsländern ist jedoch bekannt, dass möglicherweise aufgrund einer Eisenmangelversorgung 40-60% der Kinder ihre geistige Leistungsfähigkeit nicht voll entwickeln können.

Lisa Oppermann

Quelle: Dipl. oec. troph. Angelika Severin, MINT-Zirkel 2017

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