Mit Stay Seed starten wir das nächste Einkommensprogramm

By |2021-05-25T08:43:35+00:00April 1, 2021|Bildung, Entwicklung, Frauen, LATEK Stay Alliance, Stiftung, Uganda|

Die Saat ist aufgegangen: Die Stay Alliance hat das Konzept von Stina Foods zum Programm „Stay Seed“ weiterentwickelt. Die ersten 130 Kleinbauern nehmen jetzt teil. Ernest Namanya, Geschäftsführer der Stay Alliance Uganda, hat große Pläne: „Lasst es uns anpacken! Lasst uns Armut beenden!“ Da sind die Schulungsteilnehmenden gerne dabei.

Vor zwei Jahren: Müde lässt Lillian Scovia ihren Blick über das knapp einen halben Hektar große Feld ihrer Familie im Osten Ugandas schweifen. Sie weiß, dass trotz aller Mühen ihrer Eltern und ihrer jüngeren Geschwister das Feld nicht genug abwerfen wird für Nahrung und für Schulgeld für ihre Geschwister. Egal wieviel Zeit sie alle auf dem Feld ackern, es wird nicht reichen. Lillian ist dabei, sich und ihre Träume von Bildung und einem richtigen Haus aufzugeben. „Das ist eben das Leben von armen Menschen wie mir.“

Riesiges Potenzial – und doch bittere Armut

So wie Lillian und ihrer Familie geht es vielen Menschen in Uganda. Eine vorher-nachher-Studie der Stay Alliance Uganda hat ergeben, dass das durchschnittliche Jahreseinkommen der befragten Familien etwa 180 Euro beträgt. Damit stehen sie unterhalb der international anerkannten Armutsgrenze von rund 1,90 USD pro Tag (das sind etwa 1,60 Euro).

Die meisten dieser Menschen leben von der Landwirtschaft, insbesondere dem Getreideanbau. Aber ihnen fehlt es an Fachkenntnis. Laut ugandischer Regierung ist die Landwirtschaft einer der Bereiche, die eine Schlüsselrolle dabei spielen sollen, Uganda bis 2040 zu einem Land mit mittlerem Einkommensstatus zu machen. Das Klima ist günstig für die Landwirtschaft. Das Potenzial ist riesig – und doch leiden Menschen wie Lillian unter bitterer Armut.

Aus der Not ein Start-up gemacht

Justine und die Stay Alliance Uganda beim ersten Schulungstag

Justine, Innocent Byaruhanga und Ernest Namanya: So sehen Seeder aus

Doch Lillian hat sich damit nicht abgefunden. Sie hat die Landwirtschaftsschulung des ugandischen Babybrei-Herstellers Stina Foods besucht. Dieses Sozialunternehmen wurde von der jungen Mutter Justine Mukazungu aus Kampala gegründet. Auch die alleinerziehende Mutter kennt die Angst vor Mangelernährung: Für ihr Baby konnte sie sich keinen Brei leisten. Sie hatte Angst um ihre kleine Tochter und fragte ihre Mutter nach dem traditionellen Familienrezept für Brei. Und tatsächlich: Mit dem alten Rezept nahm ihr Baby endlich an Gewicht zu.

Aus dieser Erfahrung hat Justine ein Konzept entwickelt, das gleich zwei Probleme auf einmal anpackt: Vielen Eltern fehlt Einkommen, und vielen Babys fehlt gesunde Nahrung. Deswegen schult sie Frauen und Männer im Anbau der Breizutaten Reis, Sojabohnen, rote Bohnen und Mais. Nach der Ernte kauft sie ihnen die Erträge für die Brei-Herstellung ab. Sie zahlt sogar mehr als den üblichen Marktpreis. Stina Foods beliefert heute hunderte Supermärkte, Krankenhäuser und Kinderheime. „Stina Foods hat viele Kinder in Uganda vor Mangelernährung bewahrt“, sagt Justine stolz.

Lillian erntet jetzt dreimal so viel

Lillian gehört zu Justines Zulieferinnen. In der Schulung hat sie gelernt, die Pflanzmethoden anzupassen, besser zu jäten und zu ernten. Außerdem bekommt sie hochwertiges Saatgut von Stina Foods. All das führte zu einer Ertragssteigerung, die ihr selbst vorkommt wie „magic“ – Zauberei: „Heute kann ich dreimal so viel ernten wie vorher. Wir haben mehr zu essen und können dennoch viel mehr verkaufen.“ Justine habe sie gelehrt, wie ergiebig ihr Land sein kann.

Lillian sagt, dank des konstanten Einkommens könne sie nun ihren jüngeren Geschwistern die Schule ermöglichen. Und bald will sie die alte strohgedeckte Hütte ihrer Eltern durch ein richtiges Haus ersetzen. „Ich bin froh, dass Justine in mein Leben kam und mir das alles beigebracht hat.“

Was einmal funktioniert, funktioniert auch hundertfach

Damit sich eine Erfolgsgeschichte wie die von Lillian so oft wie möglich wiederholen kann, bietet Stay eine Plattform. Denn Stina Foods ist wie rund 40 andere Sozialunternehmen Mitglied der Stay Alliance Uganda. Gemeinsam haben sie das Konzept standardisiert und messbar gemacht. Nun können andere Mitgliedsorganisationen nach dem Vorbild von Stina Foods Ausbildungen anbieten. Drei von ihnen stehen schon in den Startlöchern. Über 500 Kleinbäuerinnen und -bauern könnten die Ausbildungen machen – mit ihren Familien würden damit rund 3000 Menschen aus Armut befreit.

Das Programm Stay Seed ist sozial und auch unternehmerisch. Die Kleinbäuerinnen sollen mit einem Teil ihrer späteren Ernteerlöse einmal die Kosten ihrer Ausbildung zurückzahlen. Damit finanzieren sie die nächste Generation von Schulungsteilnehmenden. Sie schließen einen Kreislauf, der eines Tages ohne fremde Mittel von außen auskommen soll.

Begeisterung am ersten Schulungstag

Die ersten Schulungen unter dem Dach der Stay Alliance sind im März 2021 gestartet. Am ersten Tag waren Justine und Vertreter der Stay Alliance natürlich dabei. Sie waren mindestens genauso aufgeregt wie die vielen Schulungsteilnehmenden. Vor allem Justine war voller Energie: „Wir werden es anpacken! Wir werden das Leben der Farmer durch die Arbeit verändern!“

Daran glaubt auch Asio Genevive, Teilnehmerin am ersten Tag. Gefragt, was sie sich vom Programm erwarte, antwortete sie: „Als alleinerziehende Mutter weiß ich, dass dieses Projekt mir dabei hilft, meinen Kindern die Schule zu ermöglichen. Ich will mein Wissen mit anderen Frauen im Dorf teilen. Und eines Tages will ich so werden wie Justine.“

Justine sagt, sie suche Menschen, die ambitioniert sind und ihr Leben verändern wollen. Davon hat sie an diesem ersten Tag sicher einige gefunden! Im Video scheint ihr Tatendrang mit Händen zu greifen.

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