Wie die Landwirtschaft in Afrika ertragreicher wird

By |2021-06-26T19:12:17+00:00Mai 14, 2021|Entwicklung, LATEK Stay Alliance, Uganda|

Kann man Getreide in Uganda anbauen? Ja, mit dem richtigen Fachwissen sind die Erträge sogar hoch. Sie reichen nicht nur für den eigenen Bedarf, sondern auch zum Verkauf. Diese Tipps helfen ugandischen Kleinbäuerinnen, reichlich zu ernten.

Gibt es sie wirklich? Menschen mit dem grünen Daumen, die auf magische Weise jede Pflanze zum Gedeihen bringen? In der Landwirtschaft jedenfalls sollte man sich nicht auf Zauberei verlassen, sondern auf Fachwissen. In unserem Einkommensprogramm Stay Seed bringen wir ugandischen Kleinbäuerinnen in kompakten Schulungen bei, wie sie aus ihrem Stück Land mehr herausholen (wie das Programm funktioniert, lesen Sie hier).

Wenig hilft viel

Manchmal reichen schon Kleinigkeiten, um die Landwirtschaft in Afrika ertragreicher zu machen. Man muss sie nur kennen. In jeder Schulung bekommen die Kleinbauern fachmännische Tipps und Tricks aus den Bereichen Boden, Aussaat, Bewässerung, Schädlingsbekämpfung, Ernte, Lagerung und Transport. Für jede Getreidevariante gibt es unterschiedliche Empfehlungen. Und manchmal spielen sie auch gut zusammen. Sojabohnen zum Beispiel sind gut geeignet, um sie im Fruchtwechsel mit Getreiden wie Mais anzubauen. Auf einem Hektar ist optimal Platz für 350 000 Sojapflanzen. Um bis zu 10 Prozent steigt die Ernte, wenn die Pflanzen im optimalen Reihenabstand von 25 cm zueinander stehen.

Wissen verhindert Verschwendung

Wissen wie dieses ist wertvoll. Andernfalls geht Nahrung verloren. Beispiel Mais: Die Mais-Ernten könnten im Schnitt viermal höher ausfallen. Und das alleine dadurch, dass mehr Pflanzen angebaut werden. Denn rund 50 000 Pflanzen können auf einem Hektar Platz finden. Wichtig ist auch, wie es nach der Ernte weitergeht: Die Bauern müssen die Maiskolben auf geeigneten Unterlagen trocknen, bis der Feuchtigkeitsgehalt nur noch etwa 14 Prozent beträgt. Durch besseres Trocknen, Schälen und Lagern vermeiden geschulte Bauern den Verlust von bis zu 40 Prozent ihrer Ernte.

Ugander lieben Bohnen, im Schnitt isst jeder Bewohner fast 60 Kilo im Jahr. Gerade für ärmere Familien liefern Bohnen wichtiges Eiweiß. Für den erfolgreichen Anbau kommt es auch hier auf das „Wie“ an. Gegenüber dem durchschnittlichen Ertrag lassen sich durch Fachwissen die Erntemengen versechsfachen. Dabei spielt auch der richtige Erntezeitpunkt eine entscheidende Rolle: Wird er zu früh gewählt, sind die Bohnen klein und verschrumpelt, liegt er zu spät, sind die Bohnen anfällig für Ungeziefer.

Mangelhaftes Saatgut ist bei allen Getreidesorten ein häufiges Problem. Deswegen lernen die Teilnehmenden auf den Stay Seed-Schulungen, wie sie gutes von schlechtem unterscheiden und wie sie einfache Qualitätstests durchführen können. Keimt ein Samen nicht, werden sie dazu ermutigt, sich bei ihrem Saatgutlieferanten zu beschweren.

Die Bedeutung der Landwirtschaft in Afrika

Der Bedarf für Fachwissen ist riesig. Afrika bezieht rund ein Viertel seines Getreides von anderen Kontinenten. Dabei sind in vielen Regionen die Böden fruchtbar und viele Menschen arbeiten in der Landwirtschaft – in Uganda etwa mehr als 70 Prozent. Die meisten von ihnen sind Kleinbäuerinnen und -bauern mit ein paar Hektar Land, auf denen sie für sich und ihre Familien anbauen und ernten. Aber ihre Erträge bleiben oft weit hinter den Möglichkeiten zurück. So hungern manche, obwohl sie es nicht müssten.

Die heute 19-Jährige Lillian Scovia aus Uganda hat eine der Schulungen besucht. Sie hat uns erzählt: „Qualität und Menge meiner Erträge waren früher gering, weil ich keine ausreichenden Kenntnisse für den Anbau hatte. Auf meinen zweieinhalb Hektar habe ich ein bis drei Säcke Mais und Sojabohnen geerntet. Aber seit meiner Schulung habe ich bessere Samen und kenne bessere Pflanz-, Pflege- und Erntemethoden. Es hat funktioniert wie Magie! Jetzt ernte ich auf der gleichen Fläche zehn Säcke.“

Doch dieser Fortschritt ist nicht Lillians magischem grünen Daumen zu verdanken, sondern ihrer gekonnten Bewirtschaftung ihres Landes. Mit Stay Seed wollen wir mehr solcher Könnerinnen und Könner ausbilden.

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