Was bedeutet informelle Arbeit?

By |2021-09-29T17:56:04+00:00Juli 27, 2021|Entwicklung, Erfolge|

Informelle Arbeit ist Arbeit ohne Vertrag. Sie bestimmt das Leben vieler Menschen weltweit und insbesondere in Afrika. Was dieses Leben für sie bedeutet und warum „informell“ auch „kreativ“ bedeuten kann.

Der Begriff „informeller Sektor“ (auch Schattenwirtschaft genannt) beschreibt eine Art der Arbeit, die in keiner amtlichen Statistik erscheint. Vereinfacht gesagt ist informelle Arbeit also eine Arbeit ohne Vertrag. Nach Schätzungen bestreitet ein Viertel der Weltbevölkerung auf diese Weise seinen Lebensunterhalt. Besonders weit verbreitet ist informelle Arbeit in Afrika: Bis zu 90 Prozent der Beschäftigten sind im informellen Sektor tätig, die meisten von ihnen in der Landwirtschaft. Wenn also die ganze Familie auf dem eigenen Stück Land arbeitet, arbeitet diese informell. Doch bedeutet Arbeiten im informellen Sektor nicht gleichzeitig Armut.

Mehr Armut und informelle Arbeit durch Corona

Armut wird über das Einkommen der Menschen definiert. Sie beschreibt eine Notlage, die nicht zeitlich begrenzt, sondern für die Lebenslage insgesamt bestimmend ist. Die entscheidende Zahl dazu lautet 1,90: Wer weniger als 1,90 US-Dollar am Tag zur Verfügung hat, gilt als extrem arm. Natürlich wird dieser Wert je nach Landeswährung und Preisniveau an die jeweiligen Verhältnisse angepasst. Dennoch leben nach dieser Definition etwa 750 Millionen Menschen in extremer Armut. Und durch Corona könnte sich die Zahl im schlimmsten Fall bis 2030 um weitere 250 Millionen erhöhen. Woher kommt das? Insbesondere die Ausgangsbeschränkungen (Lockdowns) in vielen Ländern haben informelle Arbeit oft unmöglich gemacht. Wer nicht raus darf, kann auch nicht seine Arbeitskraft anbieten, Waren auf dem Markt verkaufen, Mofas reparieren oder Schuhe putzen.

Wer wenig verdient, wird öfter krank

Familien mit geringem Einkommen brauchen preiswerte Güter, insbesondere Lebensmittel. Wird dieser Bedarf aber nicht gedeckt, können ein Mangel an lebensnotwendigen Nährstoffen und gesundheitliche Probleme die Folgen von Armut sein. Außerdem haben Menschen in Armut oft keinen Zugang zu guter oder regelmäßiger Bildung. In der Folge sind sie häufiger auf eine Arbeit im informellen Sektor angewiesen. Ein Teufelskreis beginnt..

Geoffrey Nsubuga wollte sich dem nicht ergeben. Er ist in den Slums von Kampala in Uganda aufgewachsen, aber wollte sich mit dem Leben in Armut nicht abfinden und hatte das Glück, einen Laptop geschenkt zu bekommen. Außerhalb des offiziellen Schulsystems brachte er sich alles bei, was er auf diesem Laptop finden konnte. Mit diesem Wissen gründete er die Berufsschule Somero. Hier bietet er jungen Menschen die Möglichkeit für Berufsausbildungen wie Schneiderei, IT oder Videogestaltung. Sein Bildungsprojekt mit etwa 20 Mitarbeitenden hat bereits hunderte Schülerinnen und Schüler ausgebildet und ihnen so den Weg aus der Armut ermöglicht.

Soziale Gründer in Uganda überwinden Armut

Manchmal ist diese Not auch der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Justine Mukazungu war als Mutter auf der Suche nach bezahlbarem Babybrei für ihre Tochter. Am Ende machte sie daraus ein Unternehmen, das auch anderen Müttern hilft: Da der industriell hergestellte Babybrei zu teuer war, fragte sie ihre Mutter, was diese früher gefüttert hat, als es noch keinen Brei im Supermarkt gab. Dieses Rezept wurde zur Basis für den Brei des heutigen Unternehmens Stina Foods in Uganda. Justine Mukazungu sichert mit ihrem Start-up Stina Foods neben der nährstoffreichen Ernährung für viele Babys auch Einkommen. Nicht nur für Justine, sondern auch für ihre Mitarbeitenden in der Fabrik und für viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im ländlichen Uganda. Denn Stina Foods bringt ihnen ökologischen Landbau bei und gibt ihnen hochwertiges Saatgut. Schließlich kauft Justine ihnen ein Teil der Ernte ab. Ein echtes Win-win-Geschäft.

Menschen wie Geoffrey und Justine beweisen, dass der Weg aus der Armut möglich ist. Gerade weil sie keine formelle Arbeit hatten, waren sie mutig und kreativ und haben selbst etwas aufgebaut. Das macht Mut hinsichtlich der Programme der Stay Alliances, die genau auf solche Menschen zurechtgeschnitten sind. Sie verschaffen ihnen Einkommen und damit auch Zugang zu Bildung.

Angelika Severin

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