„Am Ende ist es entscheidend, ob sich die Menschen selbst helfen können“

By |2022-04-06T12:53:05+00:00März 18, 2022|Bildung, Gesundheit, Kenia|

Mit solidem Management lässt sich Armut nachhaltig überwinden. Davon ist Valentine Maina überzeugt, die neue Geschäftsführerin der ANGAZA Stay Alliance Kenia. Hier stellt sie ihre Vision vor.

Redaktion: Valentine, schön, dich kennenzulernen! Könntest du dich bitte kurz vorstellen?

Valentine: Danke, ich freue mich sehr, hier zu sein. Ich habe einen Hintergrund in strategischem Management und Unternehmensentwicklung. Ich habe zehn Jahre an der heutigen Technischen Universität von Kenia gearbeitet. In meinem letzten Job bei einer staatlichen Versorgungseinrichtung gehörte ich zu den Gründenden der Corporate Social Responsibility-Abteilung für soziale Verantwortung der Unternehmen. Dort haben wir Spendengelder akquiriert und damit kleine Gemeinschaftsprojekte wie öffentliche Toiletten oder Wassertanks in Dörfern durchgeführt. Außerdem haben wir zusammen mit der First Lady viel für die medizinische Versorgung von Müttern getan. Und wir haben eine Menge Bäume gepflanzt, fast 20.000 Setzlinge.

Was hat dich davon überzeugt, zur Stay Alliance zu wechseln?

Ich habe in meinen bisherigen Jobs Business-Pläne und strategische Pläne für Unternehmen erstellt. Jetzt will ich meine Stärken für die Stay Alliance einsetzen. Und für diese Vision: die Beseitigung der Armut und im Grunde die Beseitigung menschlichen Leids. Ich will mit der Stay Alliance unseren Teil dazu beitragen. In Kenia leben etwa 42 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Mit der Stay Alliance kann ich jetzt auf einer größeren Ebene etwas dagegen tun.

Was genau kannst du beitragen?

Wir müssen in Kenia vor allem die Jugend und vielleicht auch die Frauen in den Dörfern in die Lage versetzen, sich selbst zu versorgen. Mit der Zeit wollen wir von der Finanzierung durch Geber:innen wegkommen. Dazu kann die Stay Alliance ihre Mitglieder motivieren, unterstützen, und vor allem sie in die Lage versetzen, die Jugend auszubilden, Menschen zu schulen, gute Geschäftsstrukturen zu entwickeln. Ich bin hier, um zu lernen, ich bin hier, um zu teilen und ich bin hier, um zu wachsen.

Unsere wichtigsten Themen sind: Bildung, Gesundheit und sozioökonomisches Empowerment. Mein Hintergrund erlaubt es mir, in allen drei Bereichen etwas beizutragen. Außerdem verfüge ich über die Netzwerke und Kontakte, die man für den Zugang zu Lehrplänen, Schulen und all das braucht.

Du hast selbst Management studiert und viele Mitglieder von ANGAZA sind das, was wir Sozialunternehmer:innen nennen. Für manche mag das wie ein Widerspruch klingen: soziale Ziele, die mit einer unternehmerischen Einstellung verfolgt werden. Was denkst du über eine unternehmerische Haltung in der Armutsbekämpfung?

Der Ansatz von Stay gefällt mir, weil er auf finanzielle Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Denn wenn man sich nur auf die soziale Entwicklung konzentriert, bedeutet das, dass man ständig neue Mittel aufbringen muss. Und das ist so, als würde man einen Fisch verschenken, anstatt zu lehren, wie man fischt. Aber das ist riskant, denn wir haben gelernt, dass eine Pandemie wie Covid alles verändern kann und auch die Spender:innen vielleicht einmal nicht genug Mittel haben. Und abgesehen von Covid wächst die Bevölkerung. Das Unternehmertum sollte also so gestaltet sein, dass es Nachhaltigkeit, Verantwortlichkeit und Verlässlichkeit mit sich bringt. Wie sollen die kleinen Unternehmen ohne betriebswirtschaftliche Kenntnisse Rechenschaft ablegen? Wie können wir dann überhaupt unseren Impact messen? Ich habe meinen Master in strategischem Management gemacht. Ohne Prognosen, ohne Strukturen, Rechenschaftspflicht und Pläne ist es schwer zu messen, was man tut.

Wir fangen langsam an, Rückzahlungsprogramme einzuführen, so dass wir in vier oder fünf Jahren in der Lage sein werden, über vernünftige Rückzahlungsleistungen durch die Schulungsteilnehmenden nachzudenken. Es besteht immer noch ein großer Bedarf an Spenden und Fördergeldern. Aber am Ende ist es entscheidend, ob sich die Menschen selbst helfen können. Ich sehe also keinen wirklichen Widerspruch.

Du hast bereits einige der Sozialunternehmer:innen kennengelernt. Gibt es so etwas wie ein gemeinsames Merkmal für all dieser Mitglieder?

Ich habe festgestellt, dass es in jedem Themenbereich um eine finanziell nachhaltige, dauerhafte Entwicklung geht, sei es im Gesundheitswesen oder im Bildungsbereich. Die meisten Mitglieder sprechen davon, dass sie sich zumindest um Nachhaltigkeit bemühen – das ist ihr gemeinsames Mindset. Viele Mitglieder wissen: Heute können sie vielleicht nur fünf oder zehn Begünstigten helfen, weil für mehr das Geld fehlt. Aber wenn sie sich um finanzielle Nachhaltigkeit bemühen, können sie vielleicht sogar zwölf oder 15 oder mehr erreichen.

Wo siehst du ANGAZA in, sagen wir, drei oder fünf Jahren?

Ich möchte mich auf einige Bereiche fokussieren. Der erste Bereich ist die Projekt- und Programmentwicklung. Heute ist nicht einmal ein Viertel unserer Mitglieder daran beteiligt. Wir wollen 100 Prozent erreichen. Der zweite Schwerpunkt ist die Professionalisierung unseres Zusammenarbeitsmodells, die Einrichtung unseres Büros, die Ausarbeitung von Richtlinien, die Aufstellung der Abteilungen und die Einstellung von ein oder zwei Personen. Und drittens werde ich mich mit der Geschäftsentwicklung befassen. Es liegt mir sehr am Herzen, Start-ups zu gründen und zu sehen, wie sie wachsen und sich vor allem in Richtung Eigenständigkeit bewegen.

Wenn wir in zwei oder drei Jahren die Zahl der Begünstigten unserer Projekte und Programme verdoppeln können und unsere Amortisation bei 30 oder 40 Prozent liegt, würde ich sagen, dass wir gut gearbeitet haben. Und ich möchte mich auch auf Partnerschaften konzentrieren. Ich habe im Laufe der Jahre so viele Beziehungen aufgebaut. Wir müssen noch eine Stakeholder-Analyse durchführen und werden sehen, wen wir ins Boot holen wollen.

Bezüglich der Programmentwicklung, glaubst du, dass die Erfahrung der Stay Alliance Uganda dir dabei helfen kann?

Ja. Ich habe mich bereits mit Ernest, dem Geschäftsführer der Stay Alliance Uganda, getroffen. Er hat mir gezeigt, dass sie wirklich fortgeschritten sind. Da wir alle in Ostafrika leben, haben wir in etwa die gleichen Probleme und die gleiche Bevölkerung, die gleiche Umwelt, das gleiche Ökosystem. Wir können uns viel voneinander abschauen.

Danke für das Gespräch, Valentine!

Ich danke der Stiftung Stay und der Jansen PrimeSteps Foundation für ihre Unterstützung unserer Arbeit!

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Andreas Kugler arbeitet bei Stay und trägt dazu bei, dass die Stiftung und ihr neuer Weg in der Armutsbekämpfung immer bekannter werden.