Coronavirus trifft Afrikas Wirtschaft hart

By |2020-09-04T07:17:28+00:00April 6, 2020|Gesundheit|

Die Pandemie wird zur Wirtschaftskrise: Afrika wird schwerer getroffen, als es irgendeine Statistik zeigen wird. Denn ein Großteil findet im Verborgenen statt.

Auch Afrikas Wirtschaft wird die Pandemie mit voller Wucht zu spüren bekommen. Denn viele Staaten sind von ausländischen Investitionen und Rohstoffexporten abhängig – und Nummer eins der Handelspartner ist China, das Land, in dem das Coronavirus zuerst auftrat. Da die Volksrepublik daraufhin Ein- und Ausfuhren stark zurückgefahren hat, treten zwei Kernprobleme auf. Erstens können Staaten wie Nigeria oder Angola, die stark vom Rohölexport abhängig sind, deutlich weniger Abnehmer finden – die Einbußen werden auf bis zu 50 Milliarden Euro geschätzt. Und zweitens fehlen Importe etwa von kleinen Elektrogeräten wie Wasserkochern. Uganda beispielsweise bezieht ein Viertel seiner Importe aus China. Fallen diese aus, könnten auch höhere Lebensmittelpreise die Folge sein.

Viele afrikanische Staaten haben ihre Grenzen geschlossen und erschweren damit auch den Gütertransport innerhalb des Kontinents. Lieferketten werden unterbrochen und die Produktion muss heruntergefahren werden. Und auch der Tourismus, der für einige Länder ein essenzieller Wirtschaftszweig ist, kommt zum Erliegen. Auch Fluglinien stehen still – für Ethiopian Airlines, einem Vorzeigeprojekt „made in Africa“, eine Katastrophe. Die sich anbahnende Krise erwischt nun auch den Staat Äthiopien, der von den Devisen der Fluglinie abhängig ist. Insgesamt könnte sich das BIP des Kontinents laut der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen im schlimmsten Fall sogar halbieren.

Leben von der Hand in den Mund

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, haben viele Staaten bereits früh Ausgangsbeschränkungen verhängt. Gegen das Virus mögen sie helfen, in der Wirtschaftskrise wirken sie aber wie ein Brandbeschleuniger: Vielerorts ist jeder Dritte Beschäftigte im informellen Sektor tätig. Diese „Schattenwirtschaft“ ist in vielen afrikanischen Ländern ein wichtiger Wirtschaftszweig. In Kenia zum Beispiel rechnet man bis zu 90 Prozent der Selbständigen diesem sogenannten Jua-Kali-Sektor zu. Die Folge der Ausgangsbeschränkungen für sie: Wenn keine Menschen mehr auf die Straßen drängen, verlieren Taxifahrer, Touristenführer oder Straßenverkäufer von einem Tag auf den anderen ihre Lebensgrundlage. Da sie jedoch in keiner Statistik auftauchen und keine Steuern bezahlen, besitzen sie auch keinerlei soziale Sicherheitsnetze wie Kranken- oder Sozialversicherungen. Sie leben somit von der Hand in Mund und können sich nicht in ein Homeoffice zurückziehen.

Katastrophale Folgen für die Staaten

Die Folgen einer zusammenbrechenden Wirtschaft könnten in Afrika verheerende Folgen haben. Entwicklungsminister Gerd Müller warnt in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen vor einer dramatischen Lage: „Ich habe große Sorgen, dass es in fragilen Staaten zum Ausbruch von Unruhen kommt, auch zu Bürgerkriegen“. Und laut dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen besteht durch einen Einbruch der Wirtschaft auch die Gefahr einer neuen Hungerkrise. In Ostafrika sind 15 Millionen Menschen unterernährt – In Folge einer Pandemie könnte diese Zahl deutlich steigen.

Während bei uns die Konjunkturprogramme längst für neuen Aufschwung gesorgt haben werden, dürften afrikanische Länder die Folgen dieser Krise noch immer spüren. Für ihren Aufschwung kommt es auf die Kräfte an, die den Menschen wieder eine Perspektive auf ein dauerhaftes Einkommen geben. Weil der Geldsegen von oben fehlt, sind die Initiativen von unten entscheidend: In Ländern wie Uganda und Kenia gibt es viele lokale Sozial-Unternehmen, die sich auf die Förderung der Einkommenssituation gerade der Ärmsten spezialisiert haben. Deren Projekte machen Mut für eine Zukunft jenseits der Corona-Krise.

Quellen: Der Spiegel, Deutschlandfunk, WHO, Süddeutsche Zeitung, neues deutschland, Augsburger Allgemeine, Deutsche Welle, Ingrid Laurien: Kenia – ein Länderporträt

Sebastian Egger

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