Afrika in Zeiten des Coronavirus – Wie Covid-19 unseren Blick auf die Welt verändert

By |2020-09-04T07:19:18+00:00März 17, 2020|Gesundheit, Kenia, Ruanda, Uganda|

Hygiene und die Vermeidung von Gesundheitsrisiken sind die wichtigsten Maßnahmen, um sich vor Krankheiten zu schützen.

Bilder von überfüllten Krankenhäusern und überlasteten Krankenhauspersonal gehen viral und lassen uns spüren, wie verwundbar auch wir sind. Die Folgen sind Angst und Panik, die sich in verschiedensten Bereichen manifestieren.

Ein für die meisten von uns nie erfahrener Zustand, denn, die meisten großen Epidemien haben meist wenig Bezug zu unserer Lebenswelt.

Aber jetzt erfahren wir hautnah, was für viele Menschen auf der Welt schon bitterer Alltag ist. Tuberkulose und vor allem die hochansteckende Krankheit Masern sind in vielen Ländern der Erde Alltag.

Nach Schätzungen der WHO starben 2018 mehr als 142.000 Menschen an Masern, die meisten von ihnen Kinder unter fünf Jahren. Das waren insgesamt 16.000 Todesopfer mehr als noch im Vorjahr. Auch die Zahl der Neuinfektionen ist auf 9,8 Millionen angestiegen.

Für 2019 wurden die meisten Ansteckungen aus dem Kongo gemeldet. Dort verstarben mehr als 5.000 Menschen an Masern – also weit mehr, als durch Ebola.

Masern ist eine Krankheit, die im Vergleich mit Corona sogar ein weitaus höheres Ansteckungsrisiko bildet, für die es aber (theoretisch) gute Impfstoffe gibt. Nur sind diese nicht für alle verfügbar. Hinzu kommt, dass: „Auch die Gesundheitssysteme vieler Länder, besonders auch in Afrika, oft schwach sind.“ So der WHO Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Unsere Lage ist dagegen, trotz der vielerorts gefühlten Panik und Unsicherheit, gemessen an afrikanischen Verhältnissen um ein Vielfaches besser. Unser Gesundheitssystem ist eines der besten weltweit, wir haben die Möglichkeit uns jederzeit die Hände zu waschen und auch andere Vorkehrungen zu treffen, um einer Ansteckung möglichst zu entgehen. Das Arbeiten im Homeoffice beispielsweise, wie ich es gerade praktiziere, ist für viele Afrikaner nicht einmal vorstellbar.

Hygiene und die Vermeidung von Gesundheitsrisiken sind die wichtigsten Maßnahmen, um sich vor Krankheiten zu schützen. In vielen Ländern Afrikas ist das richtige Händewaschen der Schlüssel zur Verhinderung vieler potenziell lebensbedrohlicher Krankheiten. So wie es auch bei uns gerade jedem empfohlen wird. Es kann auch das Risiko einer Atemwegsinfektion um bis zu 16 Prozent senken; was angesichts der Infektionszahlen eine Menge ist.

Das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Händewaschens ist vielerorts allerdings noch nicht etabliert. Gesundheitshelfer, wie sie auch die Stiftung Stay ausbildet, bilden hier eine wichtige Instanz zur Verbreitung dieses Bewusstseins. So kann nach und nach eine Veränderung im Denken und Alltag stattfinden

Der ugandische WHO Landesvertreter Yonas Tegegn Woldemariam unterstreicht dies in seiner aktuellen Aussage zur Verhinderung einer großflächigen Ausbreitung des Covid-19 Virus und fordert die Bevölkerung dazu auf, alle notwendigen hygienischen Maßnahmen zu ergreifen und auf Desinfektion zu achten.

“The disease is coming but we can prevent it if we are ready for it. […] If you are ready to change your behaviour, keep educating yourself and protecting your loved ones [then you can prevent the disease].”

Er fügt hinzu, dass für die Eindämmung ein großes Maß an Veränderung in der Art und Weise, wie die Dinge gehandhabt werden, notwendig ist.

Doch für einige ist es nicht so einfach, an sauberes Wasser zu gelangen – ein Hindernis für sicheres Händewaschen. In einigen Gemeinden ist die einzige Wasserquelle mehr als 30 Minuten zu Fuß von zu Hause entfernt.

Die Einführung sogenannter Tippy Taps (“Kippbare Hähne”) ist eine kostengünstige und einfache Lösung für dieses Problem und spielen somit, neben den Gesundheitshelfern, eine wichtige Rolle in den Gesundheits- und Hygieneprogrammen von Stay.

Da Tippy Taps leicht zu bauen und zu warten und noch einfacher zu benutzen sind, ist es möglich mit einem geringen finanziellen Aufwand kontaktlose Handwaschstationen in Dörfern und Schulen zu bauen.

Einfache, lokal verfügbaren Materialien wie ein Fünf-Liter-Wasserbehälter, ein paar Stangen oder lange Stöcke, etwas Schnur und Seife (dort, wo keine Seife zur Verfügung steht, kann stattdessen Holzasche, Sand oder Erde verwendet werden) machen ein Nachbauen leicht.

Unsere eigene aktuelle Lage zeigt uns vielleicht gerade umso eindrücklicher, wie wichtig Schutz durch hygienische Maßnahmen ist. Die Gesundheitsprogramme der Stiftung Stay geben denjenigen ein Mindestmaß an Hygiene und Schutz, die keine anderen Möglichkeiten haben, um, wie Yonas Tegegn Woldemariam es sagte, “sich und ihre Liebsten zu schützen”.

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