Umweltschutz in Uganda: Sensibilität und Sorgen wachsen

Von |2023-08-29T09:42:50+00:00August 29, 2023|Entwicklung, Uganda|

Umweltschutz wird in Uganda immer wichtiger. Die Regierung reagiert auf Ängste aus der Bevölkerung. Doch die größte Herausforderung könnte noch bevorstehen.

Uganda, ein Land mit malerischen Landschaften und reicher Biodiversität, erkennt zunehmend die Bedeutung von Umweltschutz. Laut einer Umfrage von Afrobarometer hält eine Mehrheit der Ugander:innen Umweltverschmutzung für ein ernstes Problem in ihrer Gemeinde. Insbesondere die Abholzung der Wälder hält sie für das wichtigste Umweltproblem, gefolgt von der Müllentsorgung. Plastiktüten sind für viele eine Hauptquelle der Umweltverschmutzung. Im Nachbarland Ruanda sind sie bereits verboten.

Mehrheit fordert mehr Umweltschutz in Uganda

Auch der Klimawandel macht vielen Ugander:innen Sorgen. Zwar hat laut der Umfrage fast die Hälfte der Bürger:innen noch nie von Klimawandel gehört. Doch diejenigen, die mit dem Thema vertraut sind, sind sich einig: Klimawandel verschlechtert ihre Lebensqualität. Diese Gruppe befürwortet sofortiges Regierungshandeln, selbst wenn dies teuer ist, Arbeitsplatzverluste verursacht oder die Wirtschaft belastet.

Und was die Gewinnung natürlicher Ressourcen angeht, so ist die Mehrheit der Ugander:innen der Meinung, dass die Kosten den Nutzen überwiegen und dass eine strengere Regulierung der Industrie für den Umweltschutz in Uganda erforderlich ist.

Ölförderung fördert Umweltbedenken

Genau hier könnte der Knackpunkt für neue Konflikte liegen. Denn Uganda steht vor einer entscheidenden Phase der wirtschaftlichen Entwicklung. Mit Ölvorkommen, die voraussichtlich bis 2025 erschlossen werden, eröffnen sich neue Möglichkeiten für das Land – aber auch Herausforderungen für den Klimaschutz und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Umweltschutz in Uganda

Symbolbild. Quelle: Canva

83% der Ugander:innen sprechen sich für eine stärkere Regulierung des Rohstoffabbaus in ihrer Heimat aus

Schätzungen der Weltbank zufolge könnte Uganda durch Ölexporte jährlich bis zu drei Milliarden US-Dollar verdienen. Mit einem Anteil von rund fünf Prozent an der gesamten Wirtschaftsleistung wäre die Branche auf einen Schlag in etwa so bedeutsam für die ugandische Wirtschaft wie die Automobilindustrie für Deutschland. Jedoch werden die Stimmen lauter, die vor möglichen schädlichen Auswirkungen der Ölindustrie warnen. Erfahrungen in anderen ölfördernden Ländern Afrikas hätten gezeigt, dass die Gewinne nur Wenigen nutzten – während gleichzeitig Umwelt und Allgemeinheit litten.

Tatsächlich klagen schon heute Bewohner:innen im ölfördernden Westen des Landes über geringe Entschädigungen für Land, gewaltsame Vertreibungen und mangelnde Transparenz seitens der Ölgesellschaften. Mit der geplanten Ölpipeline zur tansanischen Küste wandern die Bedenken über soziale und ökologische Gefahren nun weiter.

Das Öl soll mithilfe einer neuen, 1445 Kilometer langen Pipeline von Ölfeldern in der Nähe des Albertsees im Westen Ugandas zum tansanischen Hafen Tanga geleitet und von dort aus verschifft werden, berichtet das Handelsblatt. Das Projekt wird vom französischen Energiekonzern Total, der China National Offshore Oil Corporation (CNOOC) und der Uganda National Oil Company (UNOC) betrieben.

Regierung in der Verantwortung – teilweise

Die Bevölkerung Ugandas sieht eine gemeinsame Pflicht, ihre Umwelt zu schützen. Sie wünscht sich verstärkten Einsatz der Regierung, der Industrie, entwickelter Nationen sowie der Bürger:innen selbst. Die Regierung scheint die Signale aus der Bevölkerung ernst zu nehmen. Ende August trat Uganda einer neuen Initiative der Globalen Umweltfazilität (GEF) bei, einem internationalen Mechanismus zur Finanzierung von Umweltschutzprojekten in Entwicklungsländern. Diese neue Initiative dient der Mobilisierung von Investitionen in die Erhaltung wildlebender Arten und Ökosysteme, die durch Waldbrände, Überschwemmungen, extreme Wetterbedingungen und menschliche Aktivitäten bedroht sind, heißt es in der Zeitung New Vision und bei der GEF.

Ob das ausreicht, um den Ugander:innen die Angst um ihre Umwelt zu nehmen, ist fraglich. Erfahrungen aus anderen Ländern haben gezeigt, dass selbst ernstgemeinte umweltfreundliche Absichten der Zentralregierungen oft nicht bis nach unten durchwirken. Der Eindruck einer Mehrheit im Land scheint zu stimmen: Umweltschutz in Uganda ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.

Stay-Newsletter

Über den Autor:

Andreas Kugler arbeitet bei Stay und trägt dazu bei, dass die Stiftung und ihr neuer Weg in der Armutsbekämpfung immer bekannter werden.
Nach oben