So helfen Frauen der Stay Alliances Mädchen und Frauen in Kenia, Ruanda und Uganda aus Abhängigkeit und Armut. Als Sozialunternehmerinnen in Afrika gehen sie mit Visionen und Eigeninitiative voran und setzen Maßstäbe in der Armutsbekämpfung.

Auch zu seinem hundertjährigen Bestehen in diesem Jahr gibt der Weltfrauentag nicht überall Anlass zum Feiern: Denn immer noch erfahren viel zu viele Mädchen und Frauen weltweit Unterdrückung und Gewalt. 130 Millionen Mädchen gehen nicht zur Schule. 75 Prozent davon in Subsahara. Deshalb sind Sozialunternehmerinnen in Ostafrika so wichtig. Denn sie wollen Mädchen und Frauen aus Armut und Unterdrückung zu Selbstbestimmung und Unabhängigkeit führen.

Sozialunternehmerinnen in Afrika: So helfen sie anderen Frauen und Mädchen

Die Sozialunternehmerin Knight Muteti ist Mitglied der Stay Alliance Kenya. Sie hat es selbst erfahren, was es heißt, einen Elternteil zu verlieren. 2016 gründet sie Daughters of Kenya (DOK) mit dem Ziel, die Lebensbedingungen verwaister Mädchen und junger Mütter zu verbessern. DOK ermöglicht Mädchen zwischen sechs und 19 Jahren und jungen Müttern zwischen 12 und 35 Jahren Zugang zu Programmen wie Bildung, Alltagsfertigkeiten, nachhaltigem Einkommen und Gesundheitsvorsorge. Darüber hinaus kämpft die Organisation gegen jegliche Form von Gewalt, wie sexuelle Gewalt oder traditionelle Praktiken wie Genitalverstümmelung und Frühverheiratungen. Die jungen Frauen sollen nicht nur lernen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, sondern auch für ihre Gemeinde. So heißt das Motto des diesjährigen Weltfrauentags in der Organisation: “Women in leadership: Achieving an equal future in a COVID-19 world”.

Durch Mikrofinanzierung in die Selbständigkeit

Ähnlich setzt sich Janet Mumos Kitui Development Centre für die Armutsbekämpfung in den ländlichen Gebieten Kenias ein. Ihre Organisation konzentriert sich auf Ernährungssicherheit, Gesundheitsvorsorge, berufliche Ausbildung und natürliche Ressourcen. Mit dem sogenannten „table banking“, einer Form von Mikrofinanzierung, verhilft die Organisation Frauen zu Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Viele von ihnen sind so benachteiligt, dass sie nicht einmal klassische Mikrokredite von Banken erhalten würden. Also legen sie ihr Erspartes zusammen und finanzieren damit die Gründung von Kleinstunternehmen durch ihre Mitglieder. Zudem erhalten die Frauen Schulung in betriebswirtschaftlichen Grundlagen. Damit können sie für sich selbst und ihre Familien nachhaltig sorgen. Bessere Ernährung und Schulbildung sind für die Sozialunternehmerin Janet Mumo eine Grundvoraussetzung in der Armutsbekämpfung.

Mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz aus der Armut

Landwirtschaft bildet das Rückgrat der Wirtschaft Ugandas. Hier packt Fredica Baguma, Gründerin des ugandischen Sozialunternehmens Ruhepai (Rural Health Promotion and Poverty Alleviation), an. Sie erklärt jungen Mädchen und Frauen in weniger privilegierten Gemeinden, wie nachhaltige und umweltgerechte Landwirtschaft funktioniert. So können diese sich ihre Lebensgrundlagen langfristig erwirtschaften und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen bewahren.

Babynahrung von Müttern für Mütter

Als ihr eigenes Baby nicht an Gewicht zulegen wollte, besann sich Justine Mukazungu darauf, wie ihre Mutter sie und ihre Geschwister mit nahrhaften Breien fütterte. Also begann sie Breie nach der Rezeptur ihrer Mutter herzustellen. Ihr Baby nahm zu und die Idee für Stina Foods war geboren. Mit der Herstellung von Babynahrung aus einheimischem, organischem Getreide leistet Stina Foods einen wesentlichen Beitrag im Kampf gegen Mangelernährung und Armut in Uganda. Das Unternehmen arbeitet seit seinem Bestehen mit ugandischen Kliniken zusammen. Mittlerweile beschäftigt die afrikanische Sozialunternehmerin 30 Mitarbeiterinnen und schult Farmerinnen und Farmer in nachhaltigem Getreideanbau. Diese werden wiederum zu Lieferanten für Stina Foods.

Aufklärung und Gesundheitsförderung von jungen Frauen, Schwangeren und Müttern

Die Sozialunternehmerin Blandine Umuziranenge aus Ruanda ist ein wahres Multitalent. Denn in ihrem Unternehmen Kosmotive hat sie all ihre Kenntnisse und Fähigkeiten für die Gesundheit von jungen Mädchen und Frauen in ihren sensibelsten Phasen eingesetzt. Dort stellen Frauen wiederverwertbare und umweltfreundliche Binden her, damit Mädchen während ihrer Menstruation weiterhin zur Schule gehen und Frauen ihrer Arbeit nachkommen können. Als diplomierte IT- und Kommunikationsexpertin hat die einfallsreiche Sozialunternehmerin KosmoHealth entwickelt. Mit der KosmoApp und der KosmoHelpline bietet sie einen Informationsdienst zu Fragen über Schwangerschaft und Geburt an.

Damit sorgt sie für Aufklärung und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Senkung von Kinder- und Müttersterblichkeit. So auch ihre KosmoHealth Mobile Health Clinic, die bei Notfällen Schwangere auch zu Hause betreut. Außerdem gibt sie mit ihrer Erfahrung als Fotojournalistin, Filmemacherin und Drehbuchautorin ein Online-Magazin rund um das Thema Schwangerschaft und Geburt heraus. Und als Modedesignerin hat sie Freude daran, tragbare und funktionale Schwangerschafts- und Stillmode herzustellen. Damit will sie mehr Schwangere und Mütter dazu bringen, sich wohlzufühlen und zu stillen, damit sie eine tiefere Bindung zu ihren Babys aufbauen können. Kosmotive hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2024 30 Prozent aller Haushalte Ruandas zu erreichen.

Ein Grund zum Feiern

Fünf starke afrikanische Frauen und Sozialunternehmerinnen, die Mut machen. Sie alle und viele mehr sind gleichberechtigte Teile der Stay Alliances. In diesen Netzwerken verbünden sich Sozialunternehmerinnen und Sozialunternehmer und setzen Impulse für neue Projekte, auch über ihre Heimatregion hinaus. Ziel ist es, dass die Stay Alliances irgendwann über den ganzen afrikanischen Kontinent verbunden sind und nachhaltig Armut bekämpfen. Ihr Mut und ihre Initiative sind wahrlich ein Grund zum Feiern.

Bärbel Leuschner

https://rw.linkedin.com/in/blandineumuziranenge
https://www.one.org/de/press/130-millionen-madchen-weltweit-ohne-zugang-zu-bildung/https://www.daughtersofkenia.org https://globalpaige.wordpress.com/2012/10/20/transforming-lives-in-kenya-janet-mumo-and-the-kitui-development-centre/
https://www.youtube.com/watch?v=lYDmVZ45eKs