Alles muss sich ändern, damit das Klima so bleiben kann: Damit sich unsere Erde nicht über ein kritisches Maß hinaus erwärmt, müssen wir anders reisen, anders essen, anders arbeiten. Aber was sind die vielversprechendsten Lösungen für Klimaneutralität? Und was kann jede von uns tun?

Als Greta Thunberg vor wenigen Tagen in einem kleinen Boot irgendwo unendlich weit draußen auf dem Atlantik schipperte, war sie gleichzeitig mittendrin in einer heiß geführten Debatte: Stößt ihre Überfahrt klimaschädliche Gase aus oder nicht? Die Antwort blieb umstritten, aber die Frage nach Klimaneutralität war unstrittig in sämtlichen Schlagzeilen.

Als klimaneutral werden Produkte, Prozesse und Handlungen verstanden, die keine klimaschädlichen Gase, insbesondere CO2, ausstoßen. Das ist deswegen wichtig, weil diese Gase für die globale Erwärmung und damit den Klimawandel wesentlich verantwortlich gemacht werden. Mit dem Pariser Klimaschutzabkommen haben sich fast alle Staaten der Welt, darunter alle afrikanischen Länder, dazu verpflichtet, die Erderwärmung unter der Marke von 2 Grad Celsius zu halten. Wie sie das machen, bleibt jedem Land selbst überlassen.

Mittlerweile folgen fast täglich große Versprechen – und kommen in der öffentlichen Meinung immer gut an. Viele Produkte schmücken sich mit dem Label „klimaneutral“. Der gesamte Konzern Daimler will bis 2039 klimaneutral sein, die Stadt Berlin will es bis 2050 schaffen und sogar ganz Norwegen hat sich dieses Ziel schon für das Jahr 2030 gesetzt.

Zwei Wege führen nach Paris

Die Wirtschaft steht im Zentrum, wenn es darum geht, die Ziele von Paris zu erreichen. Zwei mögliche Wege führen Unternehmen zur Klimaneutralität: Die erste Möglichkeit besteht darin, die eigenen Transportwege, Produktionsprozesse und Energieverbräuche so zu verändern, dass keine klimaschädlichen Gase mehr ausgestoßen werden. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass unfertige Produkte mit der Bahn von Produktionsstufe zu Produktionsstufe transportiert werden. Große Unternehmen erweitern ihre Perspektive dabei oft auf die gesamte Wertschöpfungskette, das  heißt, sie erwarten auch von ihren Zulieferern und Subunternehmern Klimaneutralität. Der Vorteil dieser Möglichkeit liegt auf der Hand: Die Unternehmen haben ihre Prozesse selbst unter Kontrolle. Im Vergleich zu anderen Bereichen, etwa Verkehr oder der Herstellung von Nahrungsmitteln, gilt die klimaneutrale Umstellung der Industrieproduktion unter Experten immer noch als „low hanging fruit“, also als recht günstig realisierbar.

Die zweite Möglichkeit für Unternehmen ist die Kompensation. Dabei verzichten sie auf Veränderungen der Produktionsprozesse in ihrer Heimat und ergreifen stattdessen neutralisierende Maßnahmen in anderen Ländern. Dahinter steckt die Überlegung, dass es letztlich egal ist, wo ausgestoßene Klimagase wieder kompensiert werden. Auf einer gemeinsamen Welt gibt es auch nur einen gemeinsamen Klimawandel.

Diese zweite Möglichkeit bietet besondere Chancen: Sie bringt Unternehmen dazu, über Landesgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Auf diese Weise sorgt sie für einen Technologietransfer von den reicheren Ländern zu den ärmeren Ländern. Ein solches Projekt kann dem Gastland zum Beispiel dabei helfen, der Bevölkerung Zugang zu sauberem Wasser zu gewährleisten, natürliche Lebensräume zu schützen und schafft auch noch Arbeitsplätze. Die potenziellen Entwicklungssprünge sind für die Gastländer viel größer als für die entwickelten Länder.

Bei der Neutralität ist niemand neutral

Wenn es um die Auswirkung auf unser Klima geht, sind wir alle gefragt. Niemand kann sich wegducken und die Verantwortung abschieben, weil wir alle Auto fahren, unsere Wohnungen heizen, unsere Handys aufladen oder importierte Kleidung kaufen. Neutral ist also niemand von uns. Doch wir können unseren individuellen Verbrauch, unseren sogenannte ecological footprint, beeinflussen. Umweltexperten haben eine Liste von alltagstauglichen Ideen, wie weniger Fleischkonsum, weniger Flugreisen oder einen bewussteren Stromverbrauch. Klar ist: Wir werden auch unseren Alltag verändern müssen. Ob mal mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren oder kürzer unter der Dusche zu stehen – jeder Schritt bringt uns ein Stück weiter auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Auch wir als Stiftung streben nach Klimaneutralität unserer Events und Reisen. Unsere anstehende große Spendengala „Stay the Night“ am 5. November in Stuttgart war für uns eine besondere Herausforderung. Wie lässt sich eine große Veranstaltung mit vielen unterschiedlichen Gästen und einem umfangreichen Programm so gestalten, dass sie unser Klima nicht belastet? Um diese Aufgabe zu stemmen, arbeiten wir mit ClimatePartner zusammen. Mit dieser Organisation fördern wir gezielt Klimaschutzprojekte in Ostafrika, die die klimaschädlichen Auswirkungen unserer Gala auffangen. Es ist eine klassische Kompensationslösung.

ClimatePartner hilft uns dabei, einer gemeinsamen, globalen Herausforderung an diesem Abend gerecht zu werden. Natürlich ist es damit nicht getan. Das gewaltige Ziel Klimaneutralität wird uns alle noch lange beschäftigen. Doch auch hier gilt: Erkenntnis ist der sicherste Weg zur Besserung.