Erfahrungsbericht Afrika: Vorurteile und Inspiration

By |2021-06-26T19:02:46+00:00Juni 17, 2021|Bildung, Entwicklung, Frauen, Ruanda, Uganda|

Erfahrungsberichte aus Afrika von unseren beiden Praktikantinnen: Das Leben vor Ort entsprach nicht immer den Bildern im Kopf. Warum Kleidercontainer keine gute Sache sind und was sie am meisten inspiriert hat, erzählen sie hier.

Erfahrungsbericht Afrika: Wie wohnt man in Ostafrika?

Unserer Praktikantinnen Lisa Richertz und Lisa Oppermann haben einige Erfahrungen in Afrika, genauer: Ostafrika, gemacht. Hier berichten sie von ihren Erfahrungen. Lisa Richertz hat insgesamt fünf Jahre in Ostafrika gelebt. Die meiste Zeit davon verbrachte sie in Ruanda, aber sie war auch in Uganda, Kenia und Tansania. Es fing mit einem zweijährigen Freiwilligendienst an. Dann folgten unter anderem ein Praktikum und ein Auslandssemester. Lisa Oppermann hat für ein Jahr einen Freiwilligendienst an einer Grundschule in Uganda gemacht. Heute ist sie immer noch von Deutschland aus für einige Organisationen vor Ort aktiv.

Lisa Richertz hat sich selbst eine Unterkunft vor Ort gesucht und mit Einheimischen in einer WG gewohnt. Lisa Oppermann wurde von ihrer Organisation eine Unterkunft gestellt. Sie hat mit einer deutschen Freiwilligen zusammengewohnt. Der Lebensstandard war daher etwas höher als bei den meisten Einheimischen. Es gab einen Kühlschrank und warmes Wasser zum Duschen, wenn nicht gerade Stromausfall war. Ihre Wäsche mussten beide mit der Hand waschen – und Lisa Oppermann gesteht, heute fehlt es ihr tatsächlich ab und an.

Menschen, die inspirieren

Unsere Praktikantinnen sind in ihrer Zeit in Ostafrika vielen inspirierende Menschen begegnet. Viele der Ostafrikaner sind motiviert und haben oft kreative Lösungsansätze, gerade dann, wenn sie nicht viel haben, berichtet Lisa Oppermann. Lisa Richertz erinnert sich noch gut an ihre erste Begegnung mit einer alleinerziehenden Mutter, die trotz vieler Hindernisse nie aufgegeben hat. Sie habe fünf Kinder, der Mann habe sie verlassen und durch die Pandemie habe sie nun ihren Job verloren, erzählt Lisa. Doch die Mutter kämpft weiter. Für sich und ihre Kinder. Die Bildung ihrer Kinder, berichtet Lisa, stehe für sie an erster Stelle. So viel innere Stärke berührte und inspirierte unsere Praktikantin.

Ist doch selbstverständlich, oder? Kulturelle Missverständnisse

Wenn zwei Kulturen aufeinandertreffen, dann kommt es schnell zu Situationen, in denen etwas für eine Person selbstverständlich ist, die andere Person allerdings völlig überrascht. Lisa Richertz schildert in ihrem Erfahrungsbericht aus Afrika, dass die Menschen in Ruanda oft flexibel mit der Wahrheit sind. Sie möchten negative Situationen vermeiden. Daher ist es gesellschaftlich akzeptiert, unangenehme Dinge zu verschweigen.

Viel mitgenommen – in Kopf und Herz, nicht im Koffer

Unsere Praktikantinnen meinen, dass sich ihr Charakter verändert habe. Sie seien nicht mehr so materialistisch. Lisa Richertz berichtet, dass in Ruanda mehr Wert auf gemeinsame Zeit mit Familie und Freunden gelegt werde als auf den Status. Dort würde gearbeitet, um zu leben und nicht gelebt, um zu arbeiten, wie es in Deutschland oft der Fall ist. Beide Lisas berichten außerdem von einem „Selbstbewusstseinspush“. In Ruanda und Uganda werde sich darüber gefreut, wenn jemand etwas Neues ausprobiert. Egal wie gut oder schlecht die Person sich dabei anstellt. Wenn zum Beispiel jemand eine Rede hält, dann werde der Mut der Person bewundert, egal ob es eine gute Rede war oder nicht.

Warum Kleidercontainer auch schaden können

Während in Ruanda Secondhand-Kleidung verboten ist, ist sie in Uganda überall zu kaufen. Kleidungsstücke, die in Deutschland in Kleidercontainer geworfen werden, um damit anderen Menschen etwas Gutes zu tun, haben damit einen ungewollten Nebeneffekt: Sie können der Wirtschaft vor Ort schaden. Da die Menschen relativ günstig Secondhand-Kleidung kaufen können, wird wenig vor Ort produziert und verkauft. Designerinnen und Schneider haben auf dem Markt daher schlechtere Chancen, ihre Ware abzusetzen. Lisa Richertz erklärt, dass Ruanda daher den Import und Verkauf von Secondhand-Kleidung verboten hat.

Wie sieht die Zukunft aus?

Lisa Richertz und Lisa Oppermann sind sich sicher: In 15 Jahren werden die Orte, an denen sie damals gelebt haben, ganz anders aussehen. Denn die Infrastruktur und Wirtschaft in Ostafrika entwickeln sich sehr schnell. Lisa Oppermann erzählt, dass sich die Straße, in der sie gelebt hat, anfangs nur ein fester Erdweg war. Nach einigen Monaten wurden Beruhigungsschwellen aufgeschüttet und kurz vor ihrer Abreise wurde die Straße betoniert. Bei ihrer Rückkehr ein Jahr später sah die Straße ganz anders aus. Auch die Schule, an der sie gearbeitet hat, war in ein anderes Gebäude umgezogen. Einig sind sich die beiden Lisas auch darin: Sie wünschen sich, dass mit diesem Erfahrungsbericht Afrika auch für andere Menschen interessanter wird.

Lisa Oppermann

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