Afrikas Ärmste brauchen grundsätzliche Lösungen gegen die Anfälligkeit für Krankheiten. Am besten ein dauerhaftes Einkommen. Unser neuartiges Konzept trägt dazu bei.

Wer arm ist, wird leichter krank. Mangelernährung ist im Globalen Süden eine der Hauptursachen für die rasche Verbreitung tödlicher Virusinfektionen. Tatsächlich sind die meisten Hungertoten nicht direkt Opfer von zu wenig Nahrung – sondern erliegen Krankheiten, denen ihre geschwächten Körper nichts entgegenzusetzen haben. Deshalb ist Nothilfe zwar bedeutsam, sie hilft aber nicht grundsätzlich gegen eine oft vergessene Ursache von Epidemien: Hunger.

Rose Mutesi, Vorsitzende der Stay Alliance Ruanda, beschreibt, wie die Corona-Pandemie die Ernährungssituation vieler Menschen verschärft: „Die Ausgangsbeschränkungen treffen vor allem Tagelöhner, die nur essen können, nachdem sie gearbeitet haben. Da sie während des Lockdowns nicht arbeiten, können sie keine Lebensmittel kaufen.“ Rücklagen für schlechte Zeiten haben sie nicht und Homeoffice ist auch keine Option. So wie in Ruanda ist die Lage auch in den Nachbarländern. Insgesamt befürchtet die UNO, dass sich die Zahl der von Hunger bedrohten Menschen im Zuge der Corona-Pandemie weltweit verdoppeln könnte.

Das macht viele Menschen wiederum anfälliger für Neuinfektionen. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen und Epidemien wirksam vorzubeugen, brauchen sie ein sicheres Einkommen.

Einzelne Initiativen werden großflächige Programme

Es gibt in Afrika eine Reihe von Initiativen, die Einkommen für die Ärmsten schaffen. Viele davon sind Mitglieder in den Stay Alliances in Uganda, Kenia und Ruanda: In diesen Verbänden tauschen sie ihre Erfahrungen aus, teilen Erfolgsgeschichten und auch Fehler, entwickeln neue Ideen und verschaffen sich gegenüber der Öffentlichkeit und der Politik Gehör. Gemeinsam sind sie schlagkräftiger, als sie es allein je sein könnte. Ein weiterer Vorteil ist: In einer Stay Alliance können die Mitglieder die erfolgreichsten Bausteine aus einzelnen Initiativen zu kompletten Programmen kombinieren.

Solche Einkommensprogramme sind für Stay der nächste logische Schritt. Durch die Etablierung der Stay Alliances verfügen wir nun über die Plattformen für die schnelle und weite Verbreitung bewährter Ideen. Und die rasche Umsetzung der Corona-Präventionsprogramme war der Belastungstest im Ernstfall, der die Funktionsfähigkeit der Stay Alliances unter Beweis gestellt hat.

Deswegen geht es jetzt an die Programmarbeit. Zum Beispiel die Imkerausbildung: Uganda verfügt dank seiner reichen Flora über ideale Bedingungen für die Imkerei. Entsprechend gilt die Honigproduktion als ein Element in der Weiterentwicklung zu einem Land mit mittlerem Einkommen. Heute gibt es auf den Märkten Ugandas nicht genug Honig, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Das eröffnet armen Familien die Chance, mit der Honigproduktion Geld zu verdienen.

Unsere Mitgliedsorganisation Golden Bees bietet Auszubildenden alles, was sie brauchen, um diese Chance zu nutzen: Einen Bienenstock, Fachwissen und Schutzkleidung. Golden Bees hat in den letzten Jahren bereits tausende Imker ausgebildet. Jetzt machen wir mit der Stay Alliance daraus ein standardisiertes Programm, das auch anderen Organisationen offensteht. Neu ist, dass die Teilnehmenden nach einer vereinbarten Zeit ihre Ausbildungskosten zurückzahlen sollen. Das ist die Besonderheit, und damit stellen wir sicher, dass in Zukunft Geld da ist, um die nächste Generation auszubilden. Wir schaffen ein stabiles System, das ohne frisches Geld von außen immer mehr Menschen in einen neuen Beruf bringt.

Der Impfstoff gegen Armut

Berufliche Bildung schützt vor zukünftigen Krisen. Das sagte auch die ehemalige nigerianische Bildungsministerin und ehemalige Vize-Präsidentin der Weltbank Obiageli Ezekwesili auf einer Paneldiskussion der Deutschen Afrika-Stiftung: „Wir müssen Afrikas Widerstandskraft gegen externe Schocks wie Covid-19 stärken, indem wir unser Humankapital aufbauen.“

Dieser Zusammenhang ist wie eine Spirale, die nach und nach mehr Wohlstand schafft: Bildung schafft die Voraussetzung zum Gelderwerb. Wer sich dann Nahrung leisten kann, ist wiederum in einer besseren gesundheitlichen Verfassung. Und nur wer gesund ist, kann sich um seine Bildung bemühen; so schließt sich der Kreis.

Weltweit arbeiten Forscher unter Hochdruck an einem Impfstoff gegen Covid-19. Doch ein wichtiger Schutz vor dem Virus stammt nicht aus dem Labor: Es ist eine bessere wirtschaftliche Lage für viele Menschen im Globalen Süden. Nur wenn wir diesen Menschen die Möglichkeit geben, sich nachhaltig aus ihrer Armut zu befreien, wird die nächste Gesundheitskrise nicht zwangsläufig zu einer Hungerkatastrophe. Unsere Einkommensprogramme bilden dafür ein Fundament.